Selbstverteidigung gibt es, solange die Menschen leben und im Kampf Mann gegen Mann ihre Probleme zu lösen versuchen. Die Form der Selbstverteidigung mit und ohne Waffen entstand im Mittelalter bei den Samurai des 16. Jahrhunderts. Die Kampfsportarten wurden in verschiedenen Schulen gelehrt und gliederten sich in Kampfrichtungen mit und ohne Waffen.
Der deutsche Geheimrat Bälz, der an der kaiserlichen Universität in Japan unterrichtete, ermunterte seine Studenten zum Studium ihrer alten Kampfkünste. Einer seiner Studenten, der junge Jigoro Kano, beschränkte sich nicht darauf, die Selbstverteidigungskunst (Ju-Jutsu oder Jiu-Jitsu) einer Schule zu studieren, sondern versuchte, bei mehreren Meistern zu lernen. Er stellte fest, dass die Kampfsportarten zum Teil sehr brutal waren, und er suchte nach seinem eigenen Weg. Nach intensivem Studium verschiedener Kampfsportarten gründete Jigoro Kano 1882 sein eigenes Dojo (Schule), den Kodokan (Ort zum Studium des Weges). Er versuchte alle brutalen Elemente aus dem Ju-Jitsu zu entfernen und erschuf so eine vollkommen neue Kampfsportrichtung nämlich
Er schuf eine Basis der geistigen und körperlichen Einheit (siegen durch nachgeben).
Das vielseitige Kodokan-Judo verbreitete sich sehr schnell weltweit. In Deutschland eröffnete Erich Rahn 1905 in Berlin die erste Judo-Schule. 1920 gründete Alfred Rhode in Frankfurt den ersten deutschen Judoclub. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach einer von den Alliierten verordneten Zwangspause, nahm Judo als Sport einen ungeahnten Aufschwung.
1953 wurde der Deutsche Judobund von Heinrich Frantzen gegründet. 1964 wurde Judo in das olympische Programm aufgenommen.
Jede Technik, jede Bewegung hat dem Prinzip der ‚größtmöglichen Wirkung‘ zu gehorchen. Dabei steht im Vordergrund die Kraft des Gegners für sich zu nutzen und weiterzuleiten. Steht man einem stärkeren Gegner gegenüber, so widersetzt man sich seinem Druck nicht, sondern gibt nach. Des erwarteten Widerstandes beraubt, stolpert der Gegner überrascht nach vorne und kann sodann mit einer eigenen Technik (Hebelgesetz) und wenig Kraftaufwand besiegt werden.
Das zweite Prinzip hebt Judo über den Stand des bloßen Zweikampfsportes hinaus und lässt es zu einem hervorragendem Erziehungssystem werden.
Das Erlernen von Judo ist nur mit einem Partner möglich. Ohne einen willigen Partner und Freund ist das Erlernen und Lehren von Judo nicht möglich.
Lehren und lernen, unterordnen unter eine erfahrene Autorität und führen einer suchenden Gruppe sind Tätigkeiten, die den Menschen als soziales Wesen ansprechen und ihn zum vollwertigen Mitglied einer freien Gesellschaft werden lassen.
Man geht beim Judo von drei Zielen aus:
Eine große Erleichterung beim Studium der zahlreichen Judo-Techniken ist der methodische Aufbau des Unterrichts. Von echter Hilfe ist dabei die Zusammenstellung der Techniken nach Schwierigkeitsgraden, wie sie in der Go-Kyo-No-Kaisetsu (Erklärung von 40 Würfen in fünf Schwierigkeitsstufen) erfolgt ist.
Würfe (Nage-Waza)
- Würfe aus dem Stand
- Handwürfe (Te-Waza)
- Hüftwürfe (Koshi-Waza)
- Fußwürfe (Ashi-Waza)
- Würfe aus der Rückenlage (Sutemi-Waza)
- Würfe aus der geraden Rückenlage (Ma-Sutemi- Waza)
- Würfe aus der seitlichen Rückenlage (Yuko Sutemi-Waza)
Griffe (Katame-Waza)
- Griffe, die im Stand angesetzt werden (Tachi-Waza)
- Würgegriffe (Shime-Waza)
- Gelenkhebel (Kansetsu-Waza)
- Griffe, die im Boden angesetzt werden (Ne-Waza)
- Würgegriffe (Shime-Waza)
- Gelenkhebel (Kansetsu-Waza)
- Haltegriffe (Osae-Komi-Waza)
Schlagtechniken
- Hand- und Armschläge und -stöße (Ude-Waza)
- Fußstöße und -tritte (Ashi-Waza)
Wiederbelebung (Kappo)
Die Schlag- und Fußtechniken sind wegen ihrer Gefährlichkeit verboten.
Kappo (Wiederbelebung) darf nur von erfahrenen Meistern angewendet werden.
Außerdem wird auch schmerzfreies, sicheres Fallen geübt.
Man unterscheidet beim Judo zwischen Schüler und Meister, Kyu-Grade und Dan-Grade. Es gibt nach den neuen Richtlinien des Deutschen Judobundes acht Schülergrade. Der niedrigste Schülergrad ist der 8. Kyu, ein weiß-gelber Gürtel, der höchste Schülergrad ist der 1. Kyu, ein brauner Gürtel.
Die Meistergrade teilen sich in zehn Stufen auf, wobei der 1. Dan, ein schwarzer Gürtel, der niedrigste Meistertitel und der 10. Dan, ein roter oder schwarzer Gürtel, der höchste ist.
Die Kyugrad-Prüfung nimmt in der Regel der eigene Lehrer ab, sofern er Dan-Träger ist, und ein zweiter Dan-Träger. Die Kyu- und Dan-Prüfungen werden vom Judoverband überwacht und registriert.
Es gibt viele Wege, die alle zum gleichen Ziel führen. Der Phantasie des Lehrers sind dabei keine Grenzen gesetzt, aber alle Trainingsformen gruppieren sich um die drei Hauptmethoden:
Das Studium der Kata (Üben einer oder mehrerer Techniken mit einem Partner, der sich verabredungsgemäß verhält), Randori (freies Üben, Übungskampf ohne den letzten Einsatz; partnerschonend) und Shiai (Wettkampf).
Die Kata-Methode garantiert, dass trotz der Vielfalt der möglichen Variationen und der persönlichen Eigenheiten der Lehrer ein gewisser Standard in den Techniken überall erhalten bleibt. Sind in der Kata die Übungen und Bewegungsabläufe vorgeschrieben, so ist im Randori alles erlaubt, solange die Grundprinzipien des Judo eingehalten werden. Ziel ist es den Gegner durch Täuschen und Kontern zu überlisten und zu ermüden, wobei es wichtig ist durch eigene Techniken das Tempo selbst zu gestalten.
Im Randori fühlt sich der intelligente Judoka wohl, denn hier kann und muss er seinen Kopf gebrauchen. Bevor er den Partner "überlisten" kann, muss er ihn "ausdenken".
Die Entwicklung des Partners ist genauso wichtig, wie die eigene, deshalb sollte man nicht auf biegen und brechen die Techniken des Partners verhindern, sondern eine vom Partner sauber angesetzte Technik mit einer guten Fallübung abschließen. Wer sich darüber, dass er vorbildlich geworfen wurde und er selber in der Lage war, eine gute Fallübung auszuführen, genauso freuen kann wie über einen eigenen Wurf, hat den Sinn des Randori verstanden.
Anders als beim Randori, wo Sieg und Niederlage keine Rolle spielen, wird im Shiai durch eine Punktewertung, bei einer gelungenen Technik, ein Sieger ermittelt. Zeil ist es in einem ernsthaften Wettkampf, sei es im Training oder in einem offiziellen Wettkampf, seine ganze erlernte Kunstfertigkeit zu zeigen.
Diese drei Übungsformen, Kata, Randori und Shiai werden den Judoka sein ganzes Sportleben lang begleiten.
Die Halle, in der die Judo-Matten liegen und in der Judo geübt wird, nennt man Dojo (wörtlich: Platz zum Üben des Weges). Japanische Verhältnisse sind nicht ohne weiteres zu kopieren, aber gewisse Mindestanforderungen müssen auch in Europa beachtet werden. Eine Forderung, gegen die in Europa oft gesündigt wird, lautet: Das Dojo hat stets sauber und frei von allem unnötigen Schmuck und Zierat zu sein. Bilder, Trophäen und Beutestücke lenken nur vom Training ab und sollten außerhalb des Dojo ihren Platz finden
Der Judo-Anzug besteht aus drei Teilen: der weiten, die Unterschenkel mindestens halb bedeckende Hose, der aus festem Baumwollgewebe gefertigten Jacke und dem breiten, zweimal um die Hüfte zu bindenden Gürtel in der Farbe des eigenen Ranges.
Unter der Judo-Hose kann man eine Turnhose tragen, nötig ist das jedoch nicht. Unter der Judo-Jacke tragen nur Damen ein Trikot oder ähnliches.
Judo wird Barfuß betrieben: auch eine eiskalte Matte ist keine Entschuldigung für das Tragen von Strümpfen oder von Mattenschuhen, die vor dem Zweiten Weltkrieg üblich waren.
Die Art, wie man den Gürtel zu binden hat, ist vorgeschrieben und gehört mit zu den Dingen, die der Anfänger gern als unwichtig außer acht zu lassen geneigt ist. Die häufigsten Fehler sind:
Der Deutsche Judo-Bund hat insgesamt 10 Werte herausgestellt, die durch Judo in besonderer Weise vermittelt werden können. Um diese sollen sich die Judovereine auch akzentuiert bemühen.